Wer bremst, verliert!

Haben Sie schon einmal versucht, mit Scheifpapier unter den Schuhen zu schlittern?

Geht nicht. Trotzdem sehen mind. 50% aller Tourenyachten am Unterwasserschiff so aus, als wären Sie mit 20er Schleifpapier angeschliffen. Um dem Segelspaß endgültig den Garaus zu machen, kommen werden Rohre mit massiven Durchlässen durch die Aussenhaut geschraubt, riesige, unverkleidete Bugstrahlruder zerstören die Strömung gleich am Bug, massive Zinkanoden als Turbulenz-Erreger am Kiel und Ruder sorgen für ordentlich Abdrift, und damit bei dem ganzen Widerstand das Boot überhaupt vorankommt, muss der Propeller auch noch größer werden.

Wer bremst, verliert
Ist genug Wind da, wird die Rumpfgeschwindigkeit erreicht, egal wie rauh die Rumpf-Oberfläche ist. Doch der Anteil des Wasserwiderstands nimmt bei abnehmenden Wind zu, vor allem bei schweren Fahrtenschiffen. Eigene Test haben gezeigt, das bei Windstärken von 1-3 Beaufort allein die Schraube eines Aussenbordmotors 0,5 Knoten bremst. Oder anders: Das Zuschalten des Motor würde etwa eine halbe Windstärke später erfolgen.
Frank Bethwaite, australischer Ausnahmesegler, hat in praktischen Tests bewiesen: ein poliertes Unterwasserschiff hat am wenigsten Widerstand ? besser ist nur noch Conner´s Haihaut. Mit 400er Nassschliff angeschliffen, wird ein Boot gegenüber der Politur kaum langsamer, jedenfalls nicht in einem Rahmen, der für einen Tourensegler interessant ist. Doch der typische Antifoulinganstrich, der zum x-sten Mal ohne Schleifen übergestrichen wurde, wirkt wie ein Treibanker. Dabei ist der Weg zu einem glatten Unterwasserschiff gar nicht so schwer: Am besten das Unterwasserschiff NACH dem Malen und VOR dem Slippen mit 400er leicht überschleifen. Dann sind die ganzen Pickel und groben Unebenheiten schon entschärft. Am Ende der Saison wird mit einem Hochdruckstrahler der Neuanstrich schnell und einfach vorbereitet und Antifouling aufgerollt. Bei modernen Dünnschicht-Antfoulings brauchen Sie vor dem Malen nicht einmal mehr zu schleifen. Und dann wird wieder VOR dem Slippen mit 400er übergeschliffen. Nach 2-3 Jahren ist das Unterwasserschiff glatt wie ein Kinderpopo, denn jedes Jahr werden Unebenheiten weiter aufgefüllt. (siehe Abb 4). 
Bordauslässe, Log, Bugstrahlruder können Sie ganz einfach strömungsgünstiger gestalten (Abb), mit Anspachteln reduzieren Sie den Widerstand erheblich.

Unsere Erfahrung: Die Zeit, die man im Winter ins Unterwasserschiff steckt, gewinnt man im Sommer wieder ? mit Spaß und Speed.

Text: Hans Genthe, erschienen im Magazin Segeln 2/2009