Classic Fyn Rund 2010 auf der Rogers 46 "Guts´n Glory"

Der Morgen vor dem Start.

Ich brauche vor einer Langstreckenregatta mind. 8 Stunden Schlaf, um fit zu sein. Bei rund Fyn Regatten kann ich als Taktiker nicht schlafen, weil sich zu viel stündlich verändert/verändern kann. Zu wenig Schlaf führt zu mangelnder Konzentration. Ich bin der Überzeugung, dass es anderen ähnlich geht, darum dränge ich immer auf ausreichend Zeit zum Schlafen vor der Regatta. So übernachtet ein Großteil der Crew in einem Haus kurz vor Kerteminde, und frühstückt mit Blick auf den Kerteminde-Fjord. Thilo, Christian und Achim übernachten gesondert, obwohl wir für sie Zimmer gebucht hatten. Da Achim den Trailerschlüssel hat, und erst nach Mitternacht eintrifft, konnten wir am Abend das Boot nur teilweise klar machen. Zum Glück hatten wir das meiste schon zur Überführung vorbereitet. Am Boot muss alles schnell gehen: Daggi und Hans drucken die aktuellen Strömungskarten das DNI aus, und laden aktuelle Windvorhersagen und GRIP-Files herunter. Der Rest der Crew macht das Boot klar. Hannes kommt an Bord, und löst in Sekunden unser Aussen-Display-Problem für die Navisoftware. Das eigentliche Problem ist unglaublich simpel: Es gibt seitlich rechts am Laptop einen Schalter, um den WLAN-Sender manuell einzuschalten. Darauf bin ich nicht gekommen. Wir besprechen kurz den Regattaablauf, Henri macht die Einteilung der Crew, und laufen kurz nach 10Uhr aus, um noch ein paar Manöver zu üben und sich an Bord einzufinden, denn wieder ist ein großer Teil der Crew das erste Mal an Bord.


Start.

Fast Nullstart auf der richtigen Seite der Linie als äußerstes Boot. Dann richtige Seite und 2 Dreher genau mitgenommen. Mit fast 100m Vorsprung an der ersten Tonne. Danach A1 gesetzt, gehalst und Richtung Land gefahren. Der Rest hat sich Richtung See hochgeluvt. Nach einer Stunde hatten wir gut eine Seemeile Vorsprung vor Shakti und Varuna. Von See setzte dann frischer Wind ein. Wir haben unter Genua und vor das Feld gesetzt, Abstand zu Shakti/Varuna noch gut 1/2 Seemeile. (Erster Fehler: Wir hätten statt Genua den Code 0 nehmen müssen, dann hätten wir mehr Vorsprung gehalten).


Dann A1 gesetzt. Der Wind hat geraumt. Varuna überholt Shakti und kommt schnell auf. Wir wechseln auf A2. (Fehler: zu spät gewechselt und Manöver hat ewig gedauert). Varuna überholt trotzdem, hat das Sinnaker-Stagsegel gesetzt. Wind 4-8 Knoten. Wir sind uns unklar, ob das Spistagsegel nach IRC-Vermessung gesegelt werden darf oder nicht. In den Halsen vor der Brücke und dank Stromtaktik holen wir wieder etwas auf. Nach der Brücke segeln wir möglichst tief mit den Windstrichen. Die Entscheidung: Entweder über das Flacch bei möglichst wenig Tiefe den direkten Weg nach Svenborg segeln, oder hochluven und möglichst schnell Richtung Langeland, und hoffen das der Bogen durch weniger Strom und mehr Thermik unter Land ausgeglichen wird. Da die Varuna vor, und Shakti unter uns ist, entschließe ich mich für den direkten Weg, um eine Chance zu haben, die bei leichten Wind deutlich schnellere Varuna zu anzugreifen. Die Shakti folgt erst uns, und ist kontinuierlich ein bisschen schneller. Trotzdem fährt die Shakti nach ca, 1/2 Stunde doch Richtung Langeland.  Als durch die Peilung auf die Skakti klar wird, dass die im Verhältnis zu uns schneller wird, verlassen wir das Flach und wechseln ebenfalls Richtung Langeland. Shakti ist jetzt vor uns in Lee.

Höhe Lundeborg ist vor uns ein 180 Grad Winddeher sichtbar, wir luven, um möglichst lange im alten Wind zu fahren, Shakti luvt mit. Im Laufe der nächsten Zeit holen wir stark auf die Varuna auf, die direkt an der Fyn-Küste schon lange kreuzen muss. In der folgenden Kreuz setzt sich Shakti erst etwas ab, später holen wir wieder auf. Unsere Speed ist identisch, nur Winddreher und Windstriche verursachen die Unterschiede. An der Tonne Thurö Reef/Eingang Svenvborg-Sund ist Shakti ca. 1 Minute vor uns, Varuna ca. 6 Minuten. In den Segelwechsel-Manövern im Svendbordsund (A1 -> Code0 -> Genua -> A2 -> A1 -> Genua) verlieren wir ca. 4 Minuten. Höhe Svenborg läuft die Shakti auf und verliert über 20 Minuten.


Im Ausgang Svenbordsund bekommt die Varuna früher Wind und setzt sich schnell ab. Hinter Skarø setzen wir den Code 0, und holen auf die Varuna auf. Unsre Logge fällt aus, Boatspeed kann nur noch über GPS gemessen werden. Vor Avernakø wird vor uns der Wind flau, Varuna fährt voll in die Flaute und bleibt stehen. Wir nutzen die Chance und luven unter Land, um den Wind länger zu nutzen. Varuna luvt auch, aber zu spät. Wir bleiben dann allerdings auch - direkt neben der Varuna - liegen. Varuna setzt den Gennaker, wir halsen unter Code 0 um schneller zu dem frischen Wind, der vor uns mit einem 180 Grad-Dreher neu einsetzt, zu kommen. Doch der Wind raumt erst noch einmal, wir setzten auch den A2. Das dauert sehr lange, Varuna erreicht schneller den neuen Wind, und setzt sich unter Genua wieder ab. Es wird dunkel. Wir kreuzen mit den Winddrehern durch die Flachs, und halten den Abstand zur Varuna. Zwischendurch passieren wir  An Kap Sønderhjørne können wir 10 Grad abfallen, und rauschen durch die Nacht. Die Skokakola überholt uns wieder.


Vor Bagö treffe ich die Entscheidung, das navigatorisch anspruchsvolle, enge westliche Fahrwasser zu nehmen, um den mitlaufenden Strom und kürzeren Weg zu nutzen. Das Licht der Varuna verschwindet in Lee. Dank Navigatorin Daggi und Aussendisplay kreuzen wir sauber durch das Fahrwasser, und nehmen sogar 2 Winddreher mit, so dass wir wieder direkt hinter vor Shokakola liegen. Auf dem Anlieger von Bagö zum engern Fahrwasser Höhe Stenderup Hage schlafe ich eine halbe Stunde. In der Dämmerung setzt Nebel ein, im Nebel hinter uns wird verschwommen die Varuna sichtbar. In der Kreuz bis zur kurz vor Middellfahrt decken wir die Varuna, beim Abfallen und A2-Setzen holt die Varuna im leichten Wind wieder auf. Vor der Autobahnbrücke Middelfart wechseln wir auf Genua 1, und decken die Varuna. Hinter Strip setzen wir den A2, Varuna luvt. Ich entscheide, mit den Windstrichen Tiefe zu fahren, da die Varuna unter Gennaker sowieso schneller ist. Varuna in Luv ist etwas schneller. Mit frischem Wind holen wir auf, und halten bei ca. 10 Knoten Wind einen Rufweiteabstand bis hinter Aebelø, bis es wieder abflaut. Sofort setzt sich die Varuna wieder ab. Im wieder zunehmenden Nebel halsen wir einige Meilen später Richtung Samsø, um später den quer setzenden Strom besser nutzen zu können. Wir sind ca. 1 Minute hinter Varuna.


Bis zur der Backbord-Tonne Lillegrund vor Fyns-Hoved vergrößert die Varuna den Abstand auf 7 Minuten. Wir wollen hinter der Tonne wegen des stärkeren Windes auf den A3 wechseln, durch einen Dreher  wird der Kurs zu spitz, und wir bringen den A4 hoch. Beim Wechseln fällt der Hals über Bord, weil die Tackline zu schnell gefiert wurde, und der Gennaker wird ins Wasser gezogen, bis Henri Ihn zu fassen bekommt. Dabei bekommt der Gennaker im Fuss einen Riss durch die Rehling. Wir wechseln den Gennaker. Der Abstand zur Varuna hat zugenommen. In Landabdeckung wird der Wind raumer und weniger, wir wechseln wieder auf A1. Querab Romsø müssen wir anluven, und nutzen den Code 0 bis zur Ecke Stavreshoved vor Kerteminde. Hier flaut der Wind ab, und wird unstetig. Die Varuna geht mit dem Rest Wind ins Ziel, wir quälen uns durch Flaute und Dreher langsam Richtung Kerteminde, um ca. 30 Minuten nach der Varuna die Linie zu queren.


Fazit: 

Wieder einmal ein superspannendes Rennen. Varuna hat die besseren Manöver und mehr Bootsspeed bei leichtem Wind und tiefen Windeinfallswinkeln unter Gennaker gemacht. Da deren A2 207.27 qm laut Messbrief hat, und unser mit 205,23 qm nur 2 qm weniger hat, liegt das wohl eher am Großsegel. Oder am Trimm? Konnte da aber keinen Unterschied sehen, nur deren Großsegel war meist etwas offener. Shakti ist leider aufgelaufen, hat aber meistens aber bessere Manöver gemacht, und dadurch geholt.