Die offene Rechnung - Interview

Pantaenius Skagen Rund. Von 88 gemeldeten Booten sind nur 30 angekommen. Was waren die Gründe? Denn schwere Schäden gab es nur bei einer Yacht. 

Pantaenius Rund Skagen ist die letzte Wettfahrt der Nordseewoche, und startet nachmittags am Pfingstmontag. Dieses Jahr gab es mit 88 Booten einen Melderekord. Dann jedoch hatte der Wetterbericht für die Nacht vom Montag auf Dienstag Wind bis zur Stärke 7 in Böen 9 Beaufort vorhergesagt und eine Wellenhöhe von bis zu 5 Metern angegeben. Angesichts dieser Wettervorhersage haben 33 Teilnehmer beschlossen, nicht zu starten. 
Eine sichere Entscheidung: Norbert Plambeck, mit der Yacht Hexe erster im Ziel, hatte "die ganze Nacht 40 Knoten Wind von vorne". Die Rogers 46 Guts ´n Glory ist gestartet, hat jedoch kurz vor Horns Reef aufgegeben, und ist in die Elbmündung zurückgekehrt. Hans Genthe war an Bord.

War Ihnen im Vorwege klar, was Sie erwartet?
H.G.: Nein, mir war das nicht klar. Ich war noch nie mit einer derartigen Leichtbauyacht bei mehr als 3 Meter Welle unterwegs. Einer meiner Freunde und Mitsegler hatte mich allerdings gewarnt: ?Ich bin nicht sicher, ob wir starten sollten, da werden die meisten kotzen.? Umkehren oder Ablaufen war von Anfang an eine Option.

Hatten Sie Bedenken wegen des Bootes?
H.G.: Nein, die Rogers hat sich wunderbar verhalten. Wir haben alle wichtigen Teile wie Rigg, Beschläge, Segel und die Sicherheitsausrüstung genau geprüft. Als wir dann unterwegs waren, war es ein Glücksgefühl zu spüren, wie mühelos und schnell das Boot über die Wellen kreuzt, immer zu 100% beherrschbar.

Wieso sind Sie umgekehrt?
H.G. : Es waren nach der Nacht mehrere Crewmitglieder stark seekrank und demoralisiert. Wir hatten ausgerechnet nur für Rund Skagen 5 neue Leute an Bord, die alle das Boot nicht kannten. Nach der Nacht haben wir auf Wunsch der Mehrzahl abgedreht. Das wäre für einige zur Quälerei geworden, und wir hätten wir das Boot nicht mehr lange schnell segeln können. Ich war mir selbst nicht sicher, ob ich nicht auch seekrank werden könnte. Zudem war der Eigner nicht an Bord. Daher sind wir auf Sicherheit gegangen.

Würden Sie wieder an der Regatta teilnehmen?
H.G.: Ja, unbedingt. Es ist frustrierend für mich, mir ein Ziel zu setzten, und das nicht zu erreichen. Ich möchte daraus lernen, und es wieder probieren.

Hatten Sie Schäden während der Regatta?
H.G. Nein, keinerlei Schäden. Die Rogers 46 ist ein extrem stabiles Boot. Ein eher trivialer Grund hat uns schwer zu schaffen gemacht: Es ist Diesel aus dem Tank ins Schiff ausgelaufen. Der neue Tankanzeigengeber war undicht. Der Diesel ist von achtern unter dem Navigatorsitz durch bis mittschiffs gelaufen, das ganze Schiff stank.

Was würden Sie anders machen?
H.G.: Ich würde ein Rennen unter diesen Bedingungen nur mit einem Boot segeln, dass ich genau kenne, und sicher bin, das jedes Detail geprüft und in Ordnung ist. Wir haben uns im Vorwege nicht genug mit dem Boot beschäftigt und nicht trainiert. 
Dann sollte Crew an Bord sein, die schon bei viel Wind auf einem ähnlichen Boot Erfahrungen zumindest auf einer Kurzstrecke gemacht haben. Die Grenze, bzw. die Gründe, warum jemand seekrank wird, sind individuell. Moderne Leichtbauten wie die Rogers 46 machen extrem schnelle Bewegungen in der Welle. Die körperliche Belastung ist dadurch deutlich höher als bei schwereren Schiffen wie z.B. bei einer Swan 48. Dazu ist es enorm laut unter Deck, dabei zu schlafen, das muss man können. Wenn man nicht das notwendige Vertrauen zu modernen Werkstoffen und Bootsbau hat, dann kann der Lärm echt Angst machen. Wir hatten zum Schluss ca. 3-4m Welle und sind da wie mit einer Jolle durchgefahren. Schnell und ruppig.
Regelmäßiges Essen und vor allem auch warmes Essen heben die Stimmung und steigern den Durchhaltewillen. Ich würde in Zukunft vorkochen und das Essen in Thermoskannen warm halten, so dass man unter allen Umständen immer etwas essen kann.

Wieso sind Sie nicht seekrank geworden?
H.G.: Als Kind bin ich sehr schnell bei Seegang ausgefallen. Darum hatte ich fast 20 Jahre mit dem Seesegeln ausgesetzt. Aber schnelle Bewegungen vertrage ich besser als das wiegende Schaukeln schwerer Schiffe. Inzwischen habe ich zudem einige Methoden gefunden, meine Anfälligkeit stark zu reduzieren. 

Was sind Ihre Tipps:
H.G. : Vorher möglichst gut und lange schlafen. Gut frühstücken, Milchprodukte und fette Lebensmittel meiden. Und ich nehme 2x täglich Vitamin C-Tabletten, aufgrund eines Berichts in der Yacht. Seitdem ich das mache, bin ich nicht mehr seekrank geworden.

Was fasziniert Sie an Rund Skagen?
H.G.: Es ist eine navigatorisch und taktisch anspruchsvolle Regatta. Wind, Wetter, Strom-Taktik in Nord- und Ostsee. Dazu die Team-Leistung, das Boot mehrere Tage optimal zu segeln. Das ist eine spannende Herausforderung.


Die Nordseewoche 2011 findet über die Pfingsttage vom Freitag 10. bis 13.6. statt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.nordseewoche.org