100 Jahre Hamburg-Cuxhaven Regatta

Die erste Wettfahrt der Nordseewoche bekommt nach 100 Jahren einen neuen Namen: Cup des Audi Zentrum HAMBURG-CUXHAVEN.

Der spannendste Teil der Nordseewoche findet ganz am Anfang statt ? finde ich. Schon als 5-jähriger haben mich meine Eltern auf die Nordseewoche geschleppt ? ich erinnere mich genau, wie ich auf unserer IW31 Wasser aus der Bilge geschöpft habe, weil ein Seeventil undicht war. Mein Papa hat mich sehr gelobt... das prägt.
Voller Begeisterung habe ich dann, nachdem ich zu 50% Eigner einer stolzen 10m Yacht geworden war, gleich zur Nordseewoche gemeldet ? um dann abgelehnt zu werden. Ohne Seerehling keine Nordsee.
Aber Elbe. Und die hat es in sich. Der Zubringer von Wedel nach Cuxhaven ist mit der Strömung, den Sänden und den Winddrehern eine extrem anspruchsvolle und abwechselungsreiche Aufgabe. Jede Minute ändern sich die Verhältnisse, hinter jeder Flussbiegung liegen neue Überraschungen. Auch in den kurzen Geraden findet man keine Ruhe. Zuflüsse sorgen für Interessante Landschaftsformationen ? leider unter Wasser. Im Laufe der Zeit haben wir eine Menge Elbe mit dem Kiel ausgelotet: Wenn zu flach wird, geht´s halt nicht weiter.

Viel gelernt haben meine damalige Miteignerin ? heutige Ehefrau und ich auf der Elbe:
Dass durch die Trägheit der Wassermassen der Strom in der Mitte des Fahrwassers länger strömt, als in den flachen Uferzonen. Da kann es wenige hundert Meter neben uns schon ebben, während wir selbst noch gegen die Flut kämpfen.

Aber nichts ist schlimmer, als diese verflixten Sandnasen. Scheinbar täglich verändern die Ihre Lage ? so werden regelmäßig die Karten neu gemischt. Da, wo man in dem einen Jahr noch locker drüber kam, kann im nächsten Jahr schon das regattamäßige Verderben warten. Das kommt in Form von kostenlosem Parken am Sandstrand mit Tribünenplatz für Regattabeobachtung ? allerdings die Freude liegt bei den anderen.

(K)ein Wunder, dass diese Regatta jetzt 100 Jahre alt wird.
Wenn man es dann trotz allem bis nach Brunsbüttel geschafft hat, frischt in der Regel der Wind auf. Die Elbmündung wird jetzt breit ? die Fahrwasser weniger. Bei ablaufendem Wasser darf man zwischen der ruppigen See im Fahrwasser oder geringerem Schiebestrom am Rand abwägen. Bei auflaufendem Wasser bietet das Nebenfahrwasser nördlich des Medemgrundes (das ist eine dicke Sandbank mit ebenso dicken Robben drauf) oder das Kreuzen zwischen den Buhnen mit der Wahl vom Wechsel von ?der Nord? an ?die Süd? enorme Spannung. 

Dabei ist der richtige Zeitpunkt und Ort extrem wichtig. So kann es kommen, dass der schon lange geschlagene Gegner plötzlich auf den letzen Meilen an der Südseite vor Cuxhaven heranrauscht, während man verzweifelt das Fahrwasser zu überqueren versucht.

In Cuxhaven ankommen warten Bier und Scholle am Hafen ? und Fachsimpelei (an ?An der Nord war´s wieder Flau?) und freundlicher Spott. An so einem Abend brachte der ehemalige SVAOe-Vorstand Marcus Boehlich mich durch seine bissigen Bemerkungen auf die richtige Fährte: Im Internet gibt es Strömungskarten. Alt zwar, aber durch die Auswertung von jeder Stunde erkennt man die Mechanismen hinter den Strudeln ? und erahnt anhand des aktuellen Elbeatlas und des Tidenkalenders, welche Überraschungen der Fluss wieder bereit hat.

Dieser Nordseewoche-Zubringer ist eine meiner Lieblingsregatten ? in Augenhöhe mit Centomiglia und Fyn Cup. Die ? brillante ? Idee zu dieser Regatta hatte vor genau 100 Jahren die Segler-Vereinigung Altona-Oevegönne (SVAOe). Ursprünglich starteten am Freitagabend die Segler vor Waltershof in die Nacht, um morgens in Cuxhaven einzutreffen. 1968 musste der Start mit Rücksicht auf die Berufsschifffahrt auf 15.00 Uhr vorverlegt werden. Damit
wurde die Tradition der Nachtregatta beendet. Heute suchen die Segler in der Regel in der Dämmerung am Freitagmorgen in Wedel ihre vom Flussnebel versteckten Schiffe, um dann, wenn die Sonne den Dunst durchbricht, zu starten.

Hans Genthe