WM Australien 2004

Melbourne ? Auf der Suche nach dem Wind

Australien. Das Land der Segler. Immer Wind, immer Sonne. Eine WM nach unserem Herzen, Wind zwischen 15-25kn. Ein Traum wird wahr ? wir kommen!

Urlaub ? Regattastress ? Urlaub.
Am 28.12.03 Vermessung zur Australischen Meisterschaft, vom 29.12-31.12. fünf Regatten um den Aussi-Titel, dann 1 Tag Pause, und dann die Schlacht um den Weltmeistertitel. 6 Tage Hochspannung, bis dann am 7.1.2004 der neue Weltmeister gekürt wird.
Wir sind vorbereitet: Jede Menge Training bei Wind die Elbe hoch und runter, liebevolle Bootspflege, und dann Krafttraining, Radfahren, ...

Freitag, 27.12.
Landung in Melbourne. Gleich auf dem Flugplatz treffen wir ? Dagmar (meine Frau) Erik, (5-jähriges Produkt unserer Liebe), und ich ? ordnungsgemäß auf Hauke, der ca. 1/4 Stunde vorher aus Sydney kommend angelandet wurde. Wir sind gut erholt, haben bereits eine Woche Urlaub hinter uns.
Mit dem Taxi geht´s Richtung Sandringham Yacht Club. Dort angekommen, machen wir uns auf die Suche nach unserem Boot, das im Container ca. 4 km auf dem Firmengelände von Ronstan zu finden sein sollte. So stand´s im Mail, und das hatte ich mir sogar ausgedruckt.
Im Race-Office erfahre ich, dass Andrew die Transporte zum Club organisiert. Wenn wir in 10 Minuten dort sind, holt er mit uns unser Boot noch vor seinem Feierabend (?) in den Club ? es ist 16:50.
Ganz aufgeregt frage ich, wo ich Andrew finde, und mache mich auf die Suche nach Hauke, der sich bei anderen FD-Seglern nach Unterkunft und Vermessung erkundigt. Auf dem Weg treffe ich auf Kilian König "Wir haben Dein Boot schon mit gebracht" ? Kilian, das war echt super !
Erleichtert informiere ich Andrew: er klingt mindestens ebenso erleichtert, sein Feierabend ist gerettet. Als letztes Boot des Tages dürfen wir durch die Vermessung, um 18 Uhr ist wieder Feierabend.
Boot, Ruder, Schwert, Paddel, alles hat Minimumgewicht, alles passt. Nur durch den neuen Lack auf dem Schwert ist´s ein paar Zehntel zu dick. Doch das Schleifen verschiebe ich auf dem nächsten Morgen.
Wir hatten bereits die Erfahrung gemacht, dass bei aller Freundlichkeit der Australier beim Feierabend kein Spaß verstanden wird. Und wir haben noch keine Unterkunft. Denn die Information, es gibt eine Schule, in der wir kostenlos schlafen können, bewahrheitet sich nicht. Im Race Office ist man bemüht, hat aber keine Lösung. Andrew kümmert sich um das "Homestay-Program" (Wohnen bei Clubmitgliedern) nur werktags. Auf die Frage, was das kostet ? 50 Dollar pro Person ? winken wir dankend ab. Auf Booten von Clubmitgliedern dürfen wir auch nicht schlafen.

Daggi telefoniert sich die Finger wund, und sucht die Umgebung nach preiswerten Unterkünften ab. Mit Erfolg. So wohnen wir die ersten zwei Tage recht feudal in einem Hotel, später dann preiswert in einem Motel mit einem echt sportlichen Frühstück. Ohne Daggi hätten wir morgen keine Zeit zum Segeln.

Samstag, 28.1.

Ein traumhafter Tag. Sonnenschein, guter Wind. Es kribbelt in allen Gliedmaßen ? wir müssen schnell aufs Wasser. Beim Schwert schleife ich, bis ich Kohle sehe ? mir wird mächtig warm dabei. Nach 3 Versuchen bekommen wir endlich unseren Vermessungs-Stempel ? jetzt ganz schnell raus.
Traumhafte Bedingungen. 3-4 Beaufort, 1 Meter Welle, Sonnenschein, und das im deutschen Winter.
Hauke schwingt sich ins Trapez ? ich schreie "rein, ganz schnell rein!!!!!". Der Mast ist mit der Mitte plötzlich so stark nach hinten gebogen, dass er krumm bleibt. So eine Sch.... .
Zurück, Mast abbauen, Brett suchen, Mast über einem Geländer gerade biegen, einbauen, Segel setzen, nach ca. 2 Stunden sind wir endlich wieder auf dem Wasser, sichtlich genervt und verunsichert, denn wir wissen nicht, was da passiert ist. Baumniederholer zu lose, und dabei zu hart in eine Welle gekracht? Wir sind ratlos, doch jetzt sieht alles normal aus. Auch Erik kann uns mit seinen fachmännischen Ratschlägen nicht auf die Sprünge helfen.
Noch etwas wackelig spulen wir unser Trainingsprogramm ab: Wenden, Halsen, spitze Spikurse, und so. Das Segeln ist toll.
An Land erkundigen wir uns, in welchen der Clubgebäude wir unsere Ausrüstung (Werkzeug, Reserveteile, Segel) lassen können. "Nein, das geht nicht, wir brauchen den Platz." Wofür, können wir während des gesamten Aufenthaltes nicht feststellen. So räumen wir alles ins Boot, hoffentlich regnet es nicht. Wegfliegen wird das Boot jedenfalls kaum, auf dem Sand können wir es nicht mehr bewegen. Komische Art von Gastfreundschaft hier.
Müde fallen wir abends ins Bett.

Sonntag 29.1.

Die erste Wettfahrt. Start um 14 Uhr. Morgens ist leichter Wind, doch der soll sich täglich gegen nachmittag zu einer 20 Knoten-Brise entwickeln. Wir warten bis zur letzen Minute. Als ich eine Stunde vor dem Start die ersten Schaumkronen sehe, setzen wir unsere Mittel- bis Starkwindgenua. Die richtige Wahl. Daggi versucht auf ein Begleitboot zu kommen, doch das ist erst zur WM möglich. Nach einem mittelmäßigen Start können wir uns in dem um ca. 20 Grad drehenden Wind ganz gut nach vorne verholen, und sind an der Tonne ca. 7. Der folgende Spikurs ist raum, und macht in der Welle richtig Laune, auch wenn wir 1 Boot verlieren. Die Halse klappt gut, wir rasen los, völlig euphorisiert luven wir H 26 und braten ihm drüber. An der Raumtonne sind wir 3. Doch das Rennen bleibt spannend. Die Dreher von bis zu 20 Grad halten uns in Atem. Auf der letzten Kreuz dreht der Wind doch leider nicht mehr wie sonst zurück, sondern 15 Grad weiter. 4 Boote (auch H 26) fahren uns durch. 7. Platz.

Montag, 30.1.
Früh aufstehen, der 1. Start ist schon um 10 Uhr. Draußen ist wenig Wind. Sehr wenig Wind. Dafür sind wir doch nicht nach Australien gekommen! Der Start wird zum Glück verschoben. "Da könnte ich doch mal die Segelanweisungen lesen!", denke ich. Voller Freude sehe ich, dass die spezielle FD-Regel zum Thema Pumpen in Kraft ist: Wir dürfen 3 x pro Welle oder pro Bö pumpen, um das Boot und unsere nicht unbeträchtlichen 190 KG Lebendgewicht ins Gleiten zu bringen. Nicht ahnend, was das noch für Auswirkungen haben wird, erzähle ich Hauke davon. 
Das Rennen entwickelt sich gar nicht so, wie eigentlich geplant. Nach einem weiteren mittelmäßigem Start auf der richtigen Seite brät uns das in Luv liegende Boot einfach über die Lappen, und wir müssen wenden. Der leichte Wind dreht ständig bis zu 30 Grad. Ich habe meinen langen, schwarzen Neo angezogen, wann ich wohl gar bin? Das Schwitzwasser steht in meinen Schuhen, und steigt langsam nach oben, während der Schweiß von der Stirn mir in die Augen läuft. Mit eisernem Durchhaltewillen, halb blind und wegen Überhitzung nur mit 20% Prozessorleistung erreichen wir den sensationellen 16. Platz. 
Zurück in den Hafen, Mittagspause. Hier muss alles seine Ordnung haben. Die beiden Frauen an der Hafenbar verkaufen ehrenamtlich Brötchen und helfen, wo sie können. Wir kommen ins Gespräch, Marlene wurde in Deutschland geboren. Daggi darf mit Peter, Marlene´s Ehemann, aufs Wasser und macht tolle Fotos. Morgen bekommt sie ein kleines Schlauchboot mit Außenbordmotor geliehen. Supernett!!!

Nachmittags wird der Wind etwas stärker, die kühlende Wirkung erhöht meine Motivation immens und voller Optimismus wählen wir die schwere Genua, und ich meinen Shorty. Der Wind erreicht leider nicht die erhoffte Stärke. Auf dem letzten Raumgang ? wir sind so ca. 20. ? geschieht das lang Ersehnte: Der Wind dreht innerhalb von 2 Minuten um 180 Grad und nimmt schlagartig zu. Mein Prozessor kann durch die Kühlwirkung gleich deutlich besser arbeiten. Wir halsen, rasen los, können die Tonne nicht mehr halten, nehmen den Spi weg, halsen hektisch um die Tonne. Die Kreuz ist nur noch ein Raumgang. Die harten Böen erfordern schlagartiges Fieren der Großschot... Wild schreiend harken wir Boot für Boot ab, während der Wind auf gute 7 aufbrist. Schade, dass wir so schnell im Ziel sind.
Mit Schwung halsen wir, um in den Hafen zu laufen. Hauke geht ins Trapez, ich werfe mich in die Ausreitgurte. Doch wo ist der Wind? Drastische Luvkrängung. Das Wasser entwickelt einen enormen Schub. Jedenfalls mehr als mein Hosenboden Reibung auf dem Deck hat. Ich lande im Schiff, Pinne unter dem Arm. Coole Dickschiff-Haltung. Allerdings beim Steuern bin ich mir irgendwie selbst im Weg. Der Wind setzt vehement wieder ein. In der folgenden Gischtwolke pendelt Hauke an mir vorbei, surft mit dem Hosenboden auf der Heckwelle. Das Großsegel knallt nach Luv auf Wasser. Ich falle wie eine reife Frucht aus dem Boot. "Hauke alles klar bei Dir?" ? "Ja, was ist passiert?" Gemeinsam steigen wir auf den inzwischen durchgekenterten Rumpf und entdecken, das wir den mal wieder polieren sollten. 
Im Hafen sehen wir unser Ergebnis: Ein 12. Platz stimmt uns fröhlich. Da auch die anderen auch ordentlich Punkte gesammelt haben, sind wir 5. gesamt.

Eröffnungsveranstaltung der Australian Open. Für 20 Dollar pro Person darf man grillen und bekommt Kartoffelsalat und Brot. Fleisch muss man mitbringen. Ein freies Getränk gibt?s gratis. 200ml, sogar mit Alkohol. Auf einer Treppe stehen 3 Formelle und halten eine Ansprache, die ich nicht verstehe. Das Mikro versagt dauernd, bis jemand den Stecker richtig einsteckt.

Dienstag, 31.12.03

Schon wieder leichter Wind. Strahlende Sonne. Ich denke an meinen sensiblen Prozessor und ziehe mich dünn an. Eine kalte Dusche vor dem Start sorgt für einen weiteren Leistungspuffer. Wir wissen nun, wie es läuft: Vormittags pendelt der Wind um 20 Grad, Mittags dreht er nach rechts. Kritisch beobachtet uns das Juryboot: Kontinuierliches Pumpen auf den Wellen bringt auch unser mächtig beladenes Schlachtschiff zu gelegentlichem Angleiten. 5. Platz.

Mittagspause. Ich erkundige ich mich bei der Jury, wie das Pumpen denn genau definiert wird. Ja, wenn man angleiten kann, ist es OK. Wenn es kontinuierlich nicht geht, dann ist´s verboten. "Na toll, reine Auslegungssache", denke ich. Neuer Start. Auf dem Vorwindkurs sind wir 2. Wir pumpen auf jeder Welle. Das Juryboot fährt hinter uns her. Plötzlich Pfeifen: "threehundertsixty" verstehen wir beide. Brav drehen wir unseren Kreis. Nur 360? Na, die werden es schon wissen. Wir verlieren ein Boot. Auf der Kreuz dann noch 2. Im Ziel sind wir 6.
 Auf dem Papier im Regattabüro nur 50. Auf der Frage, warum: "We called thirtythree" ? 1 Runde zu wenig gekringelt. Dumm gelaufen. "Warum sollten wir denn kringeln? Pumpen war doch erlaubt!" Oh ? Hauke hat den Oberkörper mitbewegt, unser Mast ist mehrfach nach Luv gependelt. Pumpen darf man nur mit den Armen. Mein Gott ist das grenzwertig.
Na ja, ein 11. von 50 ist OK. Herzlich Glückwunsch an die deutschen Australischen Meister Hans Peter Schwarz und Peter von Koppen.

Silvesterabend. 
Barbecue im Club. Für 20 Dollar pro Person darf man dort wieder grillen und bekommt Kartoffelsalat und Brot. Fleisch muss man halt mitbringen. Dafür steht mitten auf dem Rasen ein Pult mit DJ und Lichtorgel. Außer den deutsch-australischen Bekannten, den ca. 20 Clubmitgliedern, von denen wir vorher kaum einen gesehen haben, und den deutschen Mannschaften ist keiner da. Wir machen uns einen netten (deutschen) Abend.

Neujahr.
Wir bummeln durch Melbourne und gehen abends gut Essen. Eine schöne Stadt.

2.1.2004

Start um 14 Uhr. Der Wind ist mau, doch wir wissen ja, wo wir entlangfahren müssen. Nur sind ein paar gute Leute mehr am Start. 9. Platz. Gewonnen hat HUN 70.
Da können die Aussis doch bei wenig Wind segeln. Abends tauschen wir diverse bedenklich dünne Leinen aus.
Eröffnungsveranstaltung zur WM. Die 20 Dollar pro Person (auch für Erik) sparen wir uns und gehen nett essen.


3.1.2004 

Start um 14 Uhr. Low Wind. Same Procedure as day before, but better start, 7. Platz, 5. Platz von 55 in der Gesamtwertung.


4.1.2004

Heute soll?s 2 Rennen geben, doch es ist so wenig Wind, das erst nachmittags gestartet wird. Der Wind kommt von See, ist erstaunlich konstant. 5. Platz, 4. Platz von 55 in der Gesamtwertung.

5.1.2004

Wieder kaum Wind. Die Sonne brennt. Mann, kann das heiß sein in Australien. Wir sind ebenso heiß. Der Start misslingt, wir müssen ständig wegwenden, können nicht dorthin fahren, wohin wir wollen. Ständig legt sich einer auf uns drauf. Plötzlich reißt der Trapezdraht. Hauke repariert, ich gebe kluge Ratschläge. Plötzlich sehe ich ein Boot im Fenster, und wir sind auf Steuerbord-Bug. In letzter Sekunde reiße ich die Pinne rum, unser Boot touchiert noch leicht das fremde Heck. Wer war das? Die Stimmung ist auf dem absoluten Tiefpunkt. "Bitte, sprich mich nicht an, sonst versenke ich das Boot und binde mich dran fest." An der 1. Tonne sind wir ca. 30., der Wind lässt weiter nach. Wir werden gegrillt. Das Großsegel flappt dumm in der Gegend rum. Kein Windstrich zu sehen, der uns nach vorne bringt. Das Wasser ist ein zähes Gelee, das uns festhält. "Hauke, kannst Du Dich nicht konzentrieren?" ? "Was soll denn das dumme Gelaber!". Seine Wasserflasche fliegt wütend auf den Doppelboden. Ich halt?s es nicht mehr aus. Wir fahren nach Hause. Erik: "Du Papa, seit Ihr erste?" Da muss ich grinsen: "Nein letzte. Aber nicht schlimm, schließlich segeln wir, weil es uns Spaß macht." 55. Platz.

14 Uhr. Neues Spiel, neues Glück. Wir segeln, weil es uns Spaß macht! Nicht vergessen, trotz Bayernwetter! Methodisch versuchen wir vor dem Start ein System in den Winddrehungen zu finden. Genauso gut könnte man in Italien Verkehrsregeln anwenden. Irgendwie ist die Stimmung aber trotzdem besser. Wir haben unser Schicksal akzeptiert. Es gibt hier eben keine WM mit gutem Wind. Wir erreichen irgendwie einen sensationellen 11. Platz. Trotz des 55. sind wir noch 9. in der Gesamtwertung. Die anderen hat es auch ganz schön gemischt.

6.1.2004

Wieder kein Wind! Startverschiebung. Gegen 14 Uhr wird eine Wettfahrt gestartet. Ablandiger Wind der Sturmstärke 1 erwartet uns. Wieso legen die denn die Bahn so dicht unter Land? Schon der erste Testschlag lässt böses ahnen! Höchststrafe ? Ammersee-Bedingungen. Dreher um 30 Grad, Windlöcher, in denen wir beide nach Lee verbannt werden. Motorbootwellen schwappen durch unser offenes Heck bis zum Mast. Für so langsame Fahrt ist unser Boot eben nicht ausgelegt. 
Nach einen schlechten Start übersehen wir einen Australier, der uns ausweichen muss. Wir kringeln 2x. Mann sind wir schlecht. Aber was für eine Aufgabe, der wir uns stellen können! 45 Boote einfach rasant überholen und gewinnen. Doch der Leebogen hilft auch nichts. Wir fahren zwar den kürzeren Weg, aber in Luv kommt früher Wind. Wind? Da hat an Land jemand gehustet. An der Halsentonne ist alles wieder beim Alten. Die Halse klappt auch nicht so wie sie soll, zwei Boote fahren uns nach der Tonne drüber. Diesmal fahren wir den Luvbogen mit. Luven können alle ganz toll. Da ist auch kein vorbeikommen. Die nachfolgende Kreuz ist auch nicht von Genialität geprägt, jedenfalls nicht von unserer: Kilian schafft ca. 20 Boote, wir zwei. Der hat auch keinen Respekt mehr vor dem Alter. Nur Papa lässt er brav vor. Zumindest in der Gesamtwertung. 
Der Vorwindkurs entwickelt sich zu einem atemberaubenden Rennen zwischen NED 33 und GER 33. Diese erbarmungslosen nordischen Kriegerinnen pumpen sich gewissenlos an uns vorbei. Mein Hinweis, das Sie das Boot bei dem Wind nicht ins Gleiten bringen werden, wird mit noch stärkerem Pumpen belohnt. "Hey, Pumpen wird mit zwei Kringeln bestraft!" ? Völlige Ignoranz. Und die Jury ist auch nicht da, wenn man sie braucht. Mögen alle diese schwarzen Seelen in der Hölle brennen.
Tatsächlich gehen sie vor uns um die Tonne. Doch ein genialer Kurzschlag nach Backbord bringt uns wieder eine Bootslänge vor sie. Triumphierend grinse ich sie an.
Und dann entwickelt sich die Lage weiter prächtig. Wir haben uns als erste nach Backbord verholt, der Wind dreht steuerbord und wir sehen plötzlich das ganze Feld im Fenster. Und die Hafeneinfahrt. Mann, sieht das gut aus. Und schnell sind wir. Hochstimmung. Im Geiste harke ich einen nach dem anderen ab. Von 40 bis 20. Bis der Erste in den Hafen läuft. Bahnverkürzung!!! Wir hatten bereits an der Leetonne das Ziel passiert. Da müssen die beiden holländischen Sirenen  unsere Sinne verwirrt haben.
Und natürlich setzt jetzt endlich wieder Wind ein. Im Hafen kreuzen wir den Weg von Erik, der mit dem Schlauchboot von Peter stolz durch den Hafen paddelt. Vor wenigen Minuten hätte er uns noch überholt.
39. Platz, 13. von 55 in der Gesamtwertung.

Tanja erzählt abends freudestrahlend, dass sie heute vor uns war. Na, morgen soll?s Wind geben.

7.1.2004

Endlich. Wir checken das ganze Boot durch, tauschen stundenlang Leinen und gehen früh ins Bett.
Ich wache schon um 6 Uhr auf. Wind!!! Aufgeregt frühstücken wir. Draußen schütteln sich die Bäume. Unser Wetter. Doch niemand hört auf uns. Startverschiebung, eine Kaltfront soll kommen. Doch die lässt auf sich warten. 3 Stunden leiden wir Höllenqualen, bis sich endlich der Himmel verdunkelt, Regen einsetzt und es auf gut 8-9 Beaufort aufbrist. Im Sturmgebrause hören wir 3 Schallsignale. Die WM ist zu Ende.


Etwas enttäuscht gehen wir nicht mehr Segeln, sondern ins Museum. Um 20 Uhr ist "prizegiving ceremony", für Teilnehmer sogar umsonst, nur die Begleitung muss 50 Dollar zahlen. Erik mogelt sich irgendwie rein, aber der isst ja sowieso nie was. Es gibt Hühnchen oder Rinderfilet, verteilt wird nach Gutdünken des Kellners, dazu Wein, leider etwas wenig.
Eine schöne Preisverleihung. HUN 70 wird verdient Weltmeister, AUS 37 zweiter und GER 87 dritter. Natürlich werden Szabolcs und András standesgemäß gewassert. Argumente wie "Ich habe keine Reservekleidung" gelten nicht, schließlich waren sie bereits Weltmeister und damit schon ´mal baden gegangen.

8.1.2004

Am nächsten Tag ist strahlende Sonne und toller Wind. Doch wir müssen unser Boot in den Container einpacken. Sechs Boote gehen in einen 40 Fuß Container, 2 unter die Decke, 2 auf ein Gestell, und 2 auf dem Boden. Wir verabschieden uns von Marlene und Renate, ohne die Gastfreundschaft der beiden wäre in diesem Club das Leben für Daggi und Erik deutlich langweiliger gewesen.

Fazit
: Gib´ nie eine Wettfahrt vorzeitig auf, das ist unsportlich und wird bestraft.
(Hätten wir jene denkwürdige Grilltour zu Ende gesegelt, wären wir vielleicht noch unter die ersten 10 gekommen.)