Von Helgoland nach Hamburg als Herausforderung: Wie schnell geht das?

Die Idee: Wie kommt am schnellsten mit einem Einrumpf-Segelboot segelnderweise von Helgoland nach Hamburg? Eine spannende Frage, die immer wieder auf dem Heimweg von Helgoland auf´s neue aufgeworfen wird. Dabei sind die Herausforderungen vielfältig: Zu beachten ist die Strömung, die langen Wellen der Nordsee, die in der Elbmündung kurz und hoch werden, die vielen Sandbänke und dann das immer enger werdende Fahrwasser der Elbe mit dem regen Verkehr.

Wir haben einen Benchmark gesetzt, und dabei beweisen, das schnelles Segeln mit viel Spaß möglich ist, ohne Unsummen zu investieren. 7 Stunden 43 Minuten von Helgoland nach Wedel. 10,6 Knoten Durchschnitt (durchs Wasser) mit einem 10m Boot. Diesen Benchmark gilt es nun zu brechen!
Hier geht´s zur Website von H2H-Challenge - Helgoland to Hamburg! >> mit den genauen Herausforderungs-Bedingungen und der HALL OF FAME!

Wie kam es dazu?
Wir sind leidenschaftlich einer italienischen Diva verfallen. Diese machmal etwas zickige, aber heiße Dame ist eine Asso 99 und hört auf den Namen ?stockmaritime". Sie gilt als eine der schnellsten Serien-Kiel-Yachten weltweit. Dies führte zu der Idee, mit ihr einen Speed-Benchmark aufzustellen: gegen die Uhr von Helgoland nach Hamburg - von der Langen Anna zum Michel. So war doch eine Asso 99 beim Antwerpen-Race 2006 schneller als die bekannt schnellen Rennziegen Open60 (Antwerprace 2006 + 2007 schnellste Zeit durch ASSO ?König Ludwig Dunkel?).

Also segelten wir 12.4. nach Cuxhaven, und am nächsten Tag nach Helgoland. Dort verließen wir unsere Geliebte mit dem schnellen Katamaran, um den richtigen Moment mit Wind aus der richtigen Richtung und mit ausreichend Stärke abzuwarten. Aber ein historisch schöner Mai mit Ostwind und Sommerwetter machte uns einen Strich durch die Pläne. Erst am 17.5. gab es ein kurzes Windfenster: Für 4-6 Stunden immerhin 5 Beaufort, zumindest laut Windfinder. Das war die letzte Chance, denn am 29.5. stand die Regatta Rund Fyn auf dem Programm, und das Boot musste noch verholt werden.

Morgens um 10Uhr, am Samstag, den 17.5. ging es dann Richtung Helgoland, mit dem Offshore-Schlauchboot "Alli1". Knappe 4 Stunden später waren wir dort. Der Wind machte gar keinen guten Eindruck, doch laut Windfinder sollte es auch erst ab 16Uhr aufbriesen. Also stärken uns in den "Mokka-Stuben" (lecker, trotz des abschreckenden Namens) und machten danach das Boot klar. Und tatsächlich, abends brieste es etwas auf. Bei Niedrigwasser durften wir frühestens an Barke Z sein, besser 2-3 Stunden später, da wir bei gutem Wind schneller als die Tide segeln.
Beispiel: Wenn um 06:00 Uhr Niedrigwasser in Cuxhaven ist, ist ca. 4 Stunden später Niedrigwasser in St. Pauli (10:11 Uhr). 

Logbuch
17:33 Auslaufen aus dem Helgoländer Nordhafen. 4 Beaufort, bedeckt.
17:39 Wechsel von kleinem auf großen Spi
17:45 Passieren Südmole Helgoland, Kurs 142 Grad. Gute Sicht.
19:05 Wechsel von großem auf kleinen Spi. 5 Beaufort, bedeckt.
19:24 querab Backbord Fahrwassertonne 4. 5 Beaufort, bedeckt.
19:31 Barke Z querab! 5 Beaufort, bedeckt.
20.00 Leuchturm Vogelsand querab, Speed per GPS durchschnittlich 14 Knoten, Wellenhöhe 1-1,50m, Beaufort: 4-5. Wechseln von kleinem auf großen Spi.
20:58 querab Fischereihafen Cuxhafen. 4 Beaufort, bedeckt. Dämmerung setzt ein. Speed: 11,3 Knoten. Welle 0,5m.
21:15 Bergen Spi, setzen Genua 2. 3-4 Beaufort
22.23 querab Ausfahrt NOK. Setzen großen Spi. 3 Beaufort.
23.13 - Atomkraftwerk Brokdorf querab. 2-3 Beaufort
00:46 - Atomkraftwerk Stade querab. 1-2 Beaufort
01:28 - Erste Ausfahrt Wedeler Yachthafen von Stade. 1 Beaufort.

Die Asso segelt auf den Liegeplatz und alle freuen sich, dass wir angekommen sind. Ein schnelles "Klarschiff machen" und schon wieder geht zur Tankstelle mit Alli1. Schluß und vorbei....ab in die Koje.

So schnell segelt eine ASSO 
(Baujahr 92, ohne Carbon und sonstigem Hightech):
- Gesamtzeit Südmole Helgoland bis Yachthafen Wedel: 7:43 Stunden
- Durchschnittsspeed gesamt: 10,6 Knoten
- Durchnittsspeed in den ersten 2 Stunden: 14 Knoten über Grund gegen Strom
- Gesegelte Strecke: 82 Seemeilen.